Immer noch Unterricht?

23. August 2019

Immer noch Unterricht? 

 

Häufiger werde ich gefragt, warum ich denn nach über 20 Jahren noch immer Gesangsunterricht nehme, wo ich doch zudem seit etlichen Jahren selbst als Gesangspädagogin tätig bin. Das möchte ich euch gerne erzählen. Zuerst aber, wie ich überhaupt zum Singen kam. Dazu hole ich ein bisschen aus, ihr werdet ein wenig über meine Kindheit hören, es wird also etwas persönlicher. 

 

Gesungen hatte ich schon immer irgendwie gerne. In der Grundschule im Chor, (wo man mir auch Solos gab, da ich wohl die kräftigste Stimme von allen hatten 😂), in der Kinderkirche, im Mädchenkreis und natürlich Zuhause, viel und laut. An spezielle musikalische und musische Förderung war aber zunächst nicht zu denken. Meine Kindheit verlief etwas anders als gewöhnlich. Als ich acht Jahre alt war, erkrankte mein Vater sehr schwer, er verstarb schließlich vier Jahre später. In diesen vier schwierigen Jahren, in einem Alter, wo Kinder Förderung in ihren Interessen und Begabungen erfahren, hatten wir anderes im Fokus, es war weder Zeit noch Geld da für solche Dinge. 

Als ich vierzehn Jahre alt war, bekam ich nun aber bei einem Freund unserer Familie Gitarrenunterricht, wofür ich heute noch sehr dankbar bin. Mein Gitarrenlehrer legte viel Wert darauf, die Lieder immer mitzusingen. Er war derjenige, der letztendlich den Anstoß gab, etwas aus meiner Stimme, dem guten ‚Rohmaterial‘, zu machen. 

 

Mit sechzehn nahm ich für zwei Jahre in Karlsruhe meinen ersten Gesangsunterricht, was meine lieben Großeltern sponserten. Es war zwar nicht die passende Lehrerin und Methode für mich, aber erhielt dennoch den Wunsch, an meiner Stimme arbeiten, aufrecht.

Meine Ausbildung zur Fachlehrerin führte mich ins Schwabenländle und das war mein großes Glück. Ich traf dort nicht nur die Liebe meines Lebens, sondern auch meine wunderbare Lehrerin Gabriella Pittnerova. Mit zwanzig endlich fand ich in ihr die perfekte Lehrerin und Gesangsmethode für mich.

 

Parallel zu meiner pädagogischen Ausbildung begann ich so mein privates Gesangsstudium in Stuttgart. Es war nicht nur große Freude am Singen selbst, sondern gleichzeitig auch eine Auszeit aus dem Alltag für mich, ein Eintauchen in eine andere, irgendwie in meine Welt, was mich antrieb. Trotz körperlicher Arbeit kam ich erholt und ausgeglichen aus jeder Stunde zurück. Und das hat sich bis heute eben nicht geändert!!! 


Neben diesem Aspekt tut es mir zudem gut, immer wieder unter „Kontrolle“ zu sein. Da man seine eigene Stimme selbst nie so hört, wie sie tatsächlich klingt und man sich mehr auf das körperliche Gespür verlassen muss, ist es von Vorteil, Feedback und Führung durch ein geschultes Ohr „von außen“ zu haben. Es besteht auch immer die Option, das man sich im Sängeralltag Ticks und ungute Dinge aneignen kann, die man selbst gar nicht wahrnimmt, die aber die Stimmqualität beeinträchtigen können. Da hilft es, wenn man jemanden hat, der einen darauf aufmerksam machen kann. 

Meine Gesangspädagogin kennt meine Stimme in- und auswendig, hat jede Veränderung durch die ganze Entwicklung hinweg, ja jede Höhe und Krise miterlebt. Das ist sehr wertvoll für mich. 


Gemeinsam neue Arien zu erarbeiten macht einfach viel Freude. Das Repertoire, und hier meine ich jetzt im klassischen Bereich, hängt mit der natürlichen Reifung der Stimme zusammen. So wie sich die Stimme mit den Jahren verändert, kommen neue Stücke hinzu. Was früher passte geht heute nicht mehr. Was früher noch zu schwer war, „sitzt plötzlich in der Stimme“. 


So kann ich zusammenfassend sagen, dass es bei meinen Gesangsstunden weniger um Stimmbildung selbst, sondern vielmehr um Kontrolle und das Erarbeiten von neuem Repertoire geht.

Solange ich daran Freude habe, werde ich wohl selbst ‚Schülerin‘ bleiben. 

 

 

If you stop learning, you stop living - Seid lieb gegrüßt!

 

Vielen Dank für die über 20 Jahre Freundschaft, Gabi! Pusica 😘

 

 

 

 

Melanie Casni - Gesangsunterricht & Allgemeine Stimmbildung